1.Workshop Spiel_Ort (8. März – 12. März 2010)

Wir schreiben den 8. März 2010: Der Himmel ist trüb und es ist sehr kalt. Vor dem Beyer-Bau eine leere Wiese. Die Grashalme von Frost überzogen. Auf dem Campus gähnende Leere. Es sind Semesterferien. Nur im Baustofflabor in der Semperstraße trifft sich eine kleine Gruppe angehender Bauingenieure, um die leere Wiese mit Leben zu füllen. Die neuen Erstsemestler werden nun eine Woche lang in die Geheimnisse des Spiel_Ort-Projekts eingeweiht.

Am Montag treffen wir uns im Baustofflabor und sehen zum ersten Mal die schon fertig betonierten Bügel, die wir bis dato nur auf Bildern gesehen haben. Der Tag wird genutzt um mit uns die Arbeitsabläufe noch einmal durchzugehen. Wir lernen die vom Baustofflabor zur Verfügung gestellten Räume und Werkzeuge kennen. Außerdem wird uns gezeigt, was im letzten Sommer schon geschafft wurde: Die schon fertiggestellten Fundamente und die laminierten Formmodule, welche später als zusammengesetzte Schalung zum Betonieren benutzt werden.

Der Dienstag beginnt mit einer Arbeitsschutzbelehrung durch Herrn Günzel. Er zeigt uns, wo was steht, wo die Fluchtmöglichkeiten sind und weist uns daraufhin, dass wir den Arbeitsplatz am Ende sauber zu verlassen haben! Wichtig ist auch die richtige Arbeitskleidung, da herumliegendes Material, wie zum Beispiel Nägel, ein hohes Verletzungsrisiken mit sich bringen.
Die praktische Arbeit kann beginnen. Aufgeteilt in zwei Gruppen leisten wir Vorarbeit um später Betonieren zu können. Die erste Gruppe repariert die verschlissenen GFK-Formen (Glasfaserverstärkter Kunststoff). Entstandene Fehlstellen müssen ausgespachtelt, danach abgeschliffen und anschließend die gesamte Form mit G4-Lösung eingestrichen werden. Die zweite Gruppe bereitet eine weitere Schalung für das Betonieren vor. Die einzelnen Module werden nach gegebenen Maßen (entnommen aus dem Bügelplan) zusammengeschraubt. Anschließend müssen sie mit Kanthölzern ausgesteift werden, um gerade Flächen und rechte Winkel herzustellen. Zum Schluss wird die ausgesteifte Form an einem „Sandkasten“ befestigt. Wir lassen den Abend mit einem gemütlichen Beisammensein ausklingen.

Als sich am Mittwochmorgen alle eingefunden haben, kann mit dem Betonieren begonnen werden. Dazu muss die am Vortag ausgesteifte Form sauber gemacht und im Anschluss mit Trennwachs bestrichen werden. Parallel schneiden wir das Textilgelege, welches als Bewehrung dient, zurecht. Das eigentliche Betonieren beginnt, in dem wir eine dünne Schicht Beton auftragen. Diese wird durch intensives Klopfen mit der Hand von Poren befreit. Ist dies geschehen wird die erste Lage des Geleges aufgelegt und einmassiert. Danach kommt wieder eine Schicht Beton und die zweite Lage Gelege, die ebenso wie die Erste eingebracht wird. Zum Schluss wird die Form mit Beton aufgefüllt und abgezogen. Der Arbeitskraftverlust über den Tag verlangsamt das Vorankommen und zwingt den harten Kern wegen der einsetzenden Kälte zum Umzug in die Halle, aber nicht zur Aufgabe. Doch bevor 20 Uhr auch für die Letzten Feierabend ist, decken wir den Bügel mit nassen Tüchern ab, damit keine Schwindrisse entstehen.

Donnerstagfrüh überlegen wir warum sich das Betonieren am Vortag so lange hingezogen hat. Das Ergebnis: Das Gelege ist zu steif und lässt sich dadurch schlecht verarbeiten. Nebenbei bauen wir eine weitere Form zusammen. Wieder wird zusammengeschraubt, ausgesteift und am Sandkasten befestigt.
Der Freitag fängt überpünktlich an. Vor der Arbeit wird neues Gelege aus der Textilmaschinenhalle, in der George-Bähr-Straße 1c, geholt. Das neue Gelege ist weniger beschichtet, dadurch flexibler und besser zu verarbeiten. Wir probieren das Gelege gleich aus und betonieren den nächsten Bügel. Da wir mittlerweile ein eingespieltes Team sind, gehen die Arbeiten schnell von der Hand. Beim Ausschalen der zwei am Mittwoch hergestellten Bügel stellen wir fest, dass diese leider nicht zu verwenden sind. Abplatzungen an den Ecken und sichtbare Bewehrung sind der Grund hierfür. Die Zeit des Betonierens war zu lang, was an dem zu steifen Gelege lag, und die einzelnen Schichten konnten sich nicht richtig verbinden.
Dennoch ist die Arbeit nicht umsonst gewesen, da wir an Erfahrung gewonnen und Freunde fürs Leben gefunden haben.

Wie wir von der zweiten Workshop-Gruppe erfahren haben, ist unser Donnerstag-Bügel ein voller Erfolg geworden. Seine glatte, porenfreie Oberfläche macht ihn einfach perfekt!

Von Tilo Senckpiel und Burckhardt Jahn

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